Frühe Zwangsvollstreckung sichert Rang!

Jochen StahlAktuelles

Häufig weigern sich die Gerichtsvollzieher die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen fortzusetzen mit dem Hinweis auf das laufende Insolvenzverfahren – man muss dann darlegen, dass es sich hierbei um eine neue Forderung handelt und das (eigentliche) Insolvenzverfahren aufgehoben ist sowie das Vollstreckungsverbot in diesem Fall nicht mehr gilt. Aus der Vermögensauskunft (vormals: eidesstattliche Versicherung) sind dann Informationen wie z.B. der Arbeitgeber ersichtlich, Arbeitseinkommen und Konto können dann gepfändet werden, wobei hier zunächst nicht mit einer Zahlung zu rechnen ist.

Zum Ende der Wohlverhaltensphase, wenn der Selbstbehalt des Schuldners steigt, kann dies schon anders aussehen. Wer dann als erster – bei Pfändungen gilt der Prioritätsgrundsatz – die Pfändung erwirkt hat, erhält solange den pfändbaren Anteil des Einkommens des Schuldners, bis die Forderung inklusive Zinsen und Kosten getilgt ist. Man spricht hierbei vom Rang der Pfändung. Mit dem Ende der Restschuldbefreiung wird das gesamte Einkommen des Schuldners wieder frei, da die Abtretung an den Treuhänder endet und für eine Pfändung zur Verfügung steht. Wer jetzt eine Pfändung im ersten Rang besitzt, hat die besten Chancen auf einen Ausgleich seiner Forderung. Deshalb sollten Sie am Ende der Wohlverhaltensphase überprüfen, ob die Pfändungen noch aktuell sind, also ob Arbeisterhältnis oder Kontoverbindung noch besteht. Sich in Insolvenz befindende Schuldner wechseln in der Regel (zumindest freiwillig) weder Arbeitsplatz noch Kontoverbindung.

Gläubiger sollten sich also von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht abhalten lassen, ihre Forderung zu titulieren. Hierbei sollte besonderes Augenmerk auf das Einkommen des Schuldners gelegt (eventuell gibt hier der Treuhänder Auskunft) und geprüft werden, ob sich unter Berücksichtigung etwaiger Unterhaltspflichten ein pfändbarer Betrag ergäbe. Wenn Sie sich für eine Titulierung entschieden haben, ist es sinnvoll, die für eine erfolgreiche Realisierung erforderlichen Schritte auch „durchzuziehen“ – also die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie oben beschrieben einzuleiten.

Fehlen die personellen Ressourcen und Know-How oder ist keine geeignete Software vorhanden, was meist der Fall sein wird, ist es gerade in solchen langwierigen Fällen sinnvoll, die Forderungen an einen externen Dienstleister, in diesem Fall an uns abzugeben, der die langfristige Überwachung der Forderung übernimmt und Sie entsprechend betreut.

Am wichtigsten ist in jedem Fall jedoch: Bleiben Sie am Ball und haben Sie Geduld!