Die aktuelle Entwicklung bei Unternehmens-Insolvenzen

Jochen StahlAktuelles

Eine Insolvenzwelle bei Unternehmen infolge der Corona-Krise ist im 1. Halbjahr 2021 ausgeblieben. Stattdessen sank die Zahl gemeldeter Unternehmensinsolvenzen weiter: Im 1. Halbjahr 2021 haben die deutschen Amtsgerichte 7 408 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 17,7 % weniger als im 1. Halbjahr 2020 und 22,9 % weniger als im von der Corona-Krise unbeeinflussten 1. Halbjahr 2019.

2022 zeichnet sich erstmals nach zwei Jahren ein Zuwachs der weltweiten Insolenzen ab – Deutschland dürfte 2021 einen Rückgang um rund 5 % auf 15.000 Fälle verzeichnen – Negativrekord: Erwartete durchschnittliche Schadenshöhe bei Unternehmen durch Insolvenzen in Deutschland hat sich im 1. Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt – Trendwende 2022 erwartet: Anstieg in Deutschland um +9 %, allerdings weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Dennoch sind die Insolvenzgläubiger stärker als zuvor betroffen: Sie meldeten laut dieser Mitteilung des statistischem Bundesamts ( Destatis) in den ersten sechs Monaten dieses Jahres voraussichtliche Insolvenz-Forderungen in Höhe von rund 31,8 Milliarden Euro an. Das ist fast doppelt so hoch wie im 1. Halbjahr 2020, als die Summe der Insolvenzforderungen noch bei 16,7 Milliarden Euro lag.

Regionale Unterschiede: In einigen Ländern steigen die Insolvenzen 2021 gegen den Trend

Die Entwicklung ist global sehr unterschiedlich. Während in den meisten Ländern 2021 die Zahl der Pleiten weiter zum Teil deutlich rückläufig sein dürften, gibt es auch einige Ländern, bei denen die Fallzahlen bereits 2021 gegen den globalen Trend steigen dürften. Dabei gibt auch die unterjährige Entwicklung Aufschluss über mögliche regionale Hot-Spots.

So steigen die Insolvenzen in Westeuropa 2021 voraussichtlich in Italien (+47 %) Spanien (+30 %), Großbritannien (+10 %), Luxemburg und der Schweiz (je +4 %) sowie in Belgien (+3 %). In Osteuropa verzeichnen insbesondere Polen (+62 %), Ungarn (+20 %), Rumänien (+8 %) und Bulgarien (+5 %) steigende Fallzahlen ebenso wie in Asien Hongkong (+24 %), Indien (+13 %) und Taiwan (+10 %). In Afrika dürfte Marokko (+48 %) einen starken Anstieg sehen, und in Südamerika sind Kolumbien (+12 %) und Brasilien (+6 %) besonders betroffen.

5 Indikatoren bestimmen die weitere Insolvenzentwicklung

Die neue Normalität bei den Insolvenzen birgt in allen Regionen weiterhin zahlreiche Risiken, die Unternehmen im Auge behalten sollten. Das Zusammenspiel von globaler und lokaler wirtschaftlicher Entwicklung und staatlicher Unterstützung spielen bei der weiteren Entwicklung der Insolvenzen weiterhin eine entscheidende Rolle ebenso wie die Dynamik beim „Cash-Burning“. Hinzu kommt das weiterhin bestehende Ausfallrisiko von Unternehmen, die bereits vor Covid-19 zu den Wackelkandidaten oder „Zombies“ zählten. Zudem hat die verschlechterte Finanzlage das Problem der Schuldentragfähigkeit verschärft. Die rasche Erholung der Unternehmensgründungen ist zwar einerseits eine positive Nachricht, die aber auch eine Kehrseite der Medaille hat: Junge Unternehmen sind traditionell anfälliger für Insolvenzen. Zudem vergrößert diese Entwicklung die Basis für potenzielle Insolvenzen, insbesondere in Bereichen, in denen die Gründung von Unternehmen in hohem Maße mit in der Pandemie neu entstandenen Bedürfnissen zusammenhängt (z. B. Hauslieferungen) und bei denen die langfristige Tragfähigkeit des Geschäftsmodells unsicher ist

* Zahlen im Statistikportal nur bis Mai veröffentlicht
**Beispielsweise ehemals Selbstständige, Nachlassinsolvenzen, Gesellschafter oder Mithafter, Gesamtgut

Mögliche Differenzen zwischen Statistik-portal und Destatis ergeben sich aus der Zuordung der Verfahren zu den Kategorien Unternehmen/ Verbrauchern/Sonstige.

Datenquelle: Statistikportal.de; dieses wird von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder gemeinschaftlich betrieben.