Entwicklung der Wirtschaft 2021

Jochen StahlAktuelles

Die nachstehende Grafik zeigt das Ergebnis einer im Mai 2021 durchgeführen Umfrage  zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. 39 Prozent der befragten Personen waren der Meinung, dass es mit der Wirtschaft in Deutschland abwärts geht. Im Vergleich zu den Vormonaten verbesserte sich die Stimmung zur wirtschaftlichen Lage zunehmend.

Die deutsche Wirtschaft hat ein ereignisreiches Jahr 2020 hinter sich. Im Zuge der Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen kam es im zweiten Quartal zu einem hinstorischen Einbruch der Wirtschaftsleistung in nahezu allen Sektoren der Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt ging im vergangen Jahr um 5 Prozent zurück. Nach einer ersten schnellen Erholung kämpft sich die deutsche Wirtschaft nun allmächlich wieder aus der Krise. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3 Prozent. Die Erwerbstätigkeit wird im Jahr 2021 voraussichtlich stagnieren und die Zahl der registrierten Arbeitslosen leicht zurückgehen. Die Wirtschaftsleistung vor der Kirse dürfte erst zur Mitte des Jahres 2022, wenn überhaupt, wieder erreicht werden. Die wirtschaftliche Entwicklung wird weiterhin maßgeblich vom Pandemieverlauf und von den Maßnahmen zur Eindämmung beeinflusst.

Im Herbst 2019 hatten die Experten in ihren Jahresprognosen noch die Unsicherheiten auf dem Weltmarkt und die lähmenden Effekte der Handelsstreitigkeiten mit den USA beklagt. Ungünstige Rahmenbedingungen also und nur noch Aussichten auf ein begrenztes Wachstum. Ein paar Monate später schon hatte sich die Corona-Pandemie bis nach Deutschland vorgedrungen und plötzlich waren sämtliche Konjunkturanalysen absurd.

Mit Beginn des Shutdowns ging es eigentlich nur noch darum, wie die Wirtschaft den Tiefschlag wohl verkraften würde – ob sich der Grad der Erholung als V darstellen würde oder – weniger günstig – als W. Oder gar als L, also mit minimalen Aussichten für eine baldige Rückkehr zum zuvor erarbeiteten Wohlstand.

Inzwischen sehen die Experten klarer, auch wenn jede Prognose unter den Vorbehalt von Corona-bedingten Unwägbarkeiten gestellt wird. Doch Ökonomen, Forschungsinstitute und Verbände sind ebenso wie die Wirtschaftsweisen zuversichtlich, dass die deutsche Wirtschaft schon in diesem Jahr wieder wächst. Für 2021 sagt der Sachverständigenrat 4,9 Prozent voraus. Allerdings: »Eine Rückkehr auf das Niveau des BIP vor der Pandemie ist nicht vor dem Jahr 2022 zu erwarten.«

So führten insbesondere die Verschärfungen im Dezember zu massiven Umsatzausfällen für die innerstädtischen Einzelhändler im so wichtigen Weihnachtsgeschäft. Gastronomen, Hoteliers, Veranstalter und Künstler hätten praktisch ein temporäres Berufsverbot.

Für die Einzelhändler war das Corona-Jahr 2020 turbulent: Während der Konsum in früheren Wirtschaftskrisen eher stabilisierend auf die Volkswirtschaft wirkte, führte in diesem Jahr vor allem der doppelte Angebots- und Nachfrageschock zur Wirtschaftskrise. Nicht nur rissen im ersten Shutdown vielerorts die Lieferketten; auch der Konsum brach zeitweise völlig ein.

Darunter litt vor allem die Modeindustrie – weil Anlässe und Büroalltag fehlten, sank ihr Umsatz allein im ersten Halbjahr um rund 30 Prozent, berichtet der Handelsverband HDE. Auch Spielwarenhändler und Schmuckläden beklagten Umsatzverluste von rund 15 Prozent. 2021 könnte also das Gesicht der Innenstädte deutlich verändern. Auch im laufenden Jahr stützen die Staatsfinanzen die Wirtschaft erheblich. Im Ergebnis dürfte das Staatsdefizit 2021 weiter steigen (2020 lag es bei 4,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP)). Das deutsche Stabilitätsprogramm vom April weist einen sehr hohen Planwert von 9 % des BIP aus. Die Finanzpolitik reagierte bisher flexibel und im Großen und Ganzen zielgerichtet auf die schwierige Krisenlage.

In diesem Sinne hoffen wir für jedermann, dass die prognostizierte Erholung der Wirtschaft tatsächlich einkehrt und nicht durch einen weiteren Lockdown zunichte gemacht wird…