Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland 2020/2021

Jochen StahlAktuelles

Die nach wie vor hohe Infektionsdynamik und die vielerorts nochmalige Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen lassen für die Weltwirtschaft auch einen schwachen Start in das Jahr 2021 erwarten. Dank der schnellen Entwicklung von Vakzinen sind immerhin inzwischen in vielen Ländern Impfkampagnen angelaufen. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Einschränkungen in den nächsten Monaten spürbar gelockert werden können. Dem stehen jedoch Risiken gegenüber, die von der Ausbreitung neuer Virusvarianten ausgehen könnten.

Im Februar 2021 stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent, wie Sie aus der nachstehenden Statistik entnehmen können. Somit stiegen die Verbraucherpreise schon den zweiten Monat in Folge, nachdem sie zuvor sechs Monate lang gefallen oder stabil geblieben sind.

Der ausgesprochen schnelle Erholungsprozess der Weltwirtschaft, der den pandemiebedingten Einbruch bereits in den Sommermonaten ein gutes Stück wettgemacht hatte, verlor im Herbst erheblich an Schwung. Ausschlaggebend waren neue Infektionswellen in vielen Teilen der Welt. Die Verbraucherpreise (HVPI) blieben im Schlussquartal 2020 saisonbedingt gegenüber dem Vorquartal konstant. Im Sommer waren sie wegen der temporären Mehrwertsteuersenkung noch spürbar gesunken. Im Vorjahresvergleich wirkten die temporäre Mehrwertsteuersenkung und die Energiepreise weiterhin deutlich dämpfend. Im Januar 2021 machten die Verbraucherpreise einen starken Sprung nach oben. Die Teuerungsrate legte außergewöhnlich kräftig von -0,7 % im Dezember auf + 1,0 % zu. Auch die Kernrate zog deutlich an (von -0,1 % auf 2,0 %). Der Anstieg war damit noch stärker als aufgrund der Wiedereinführung der regulären Mehrwertsteuersätze und der Maßnahmen des Klimapakets zu erwarten gewesen war. Dies dürfte durch umfangreiche Anpassungen der Ausgabengewichte, die dem HVPI zugrunde liegen, zu erklären sein.

Die Coronakrise bestimmte im vergangenen Jahr auch die deutsche Finanzpolitik. Seit der ersten Infektionswelle im März wurden umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Gesundheitssystem, Unternehmen sowie private Haushalte zu unterstützen. Die staatlichen Investitionen wuchsen weiter dynamisch. Zudem stabilisierte das Steuer- und Sozialsystem im Wirtschaftseinbruch automatisch: Steuern und Sozialbeiträge gaben zusammen mit Unternehmensgewinnen, Lohneinkommen und dem privaten Konsum nach und wegfallende Lohneinkommen wurden teils durch Sozialleistungen kompensiert. Im Ergebnis wurde 2020 ein hohes staatliches Defizit verzeichnet. Gemäß der ersten Meldung vom Januar lag es bei fast 5 % des BIP, nach einem Überschuss von 1 1/2 % des BIP im Jahr davor. Die Schuldenquote könnte bis Ende 2020 rund 10 Prozentpunkte auf etwa 70 % gestiegen sein. Die Aussichten für das laufende Jahr sind weiterhin unsicher. Aus derzeitiger Sicht könnten sowohl die Defizit- als auch die Schuldenquote mehr oder weniger seitwärts bewegen. Da Teile der Wirtschaft zunächst erheblich von den Einschränkungsmaßnahmen beeinträchtigt bleiben, laufen zahlreiche Stützungsmaßnahmen weiter oder werden abgewandelt fortgesetzt.

Trotz allem soll unser Optimismus darunter nicht leiden und hoffen auf einen guten Abschluss des Jahres 2021. Nachstehend  eine Übersicht der weltwirtschaftlichen Entwicklung des realen BIP. Laut Information der Medien zufolge sei China die einzig große Volkswirtschaft, die im Kirsenjahr 2020 gewachsen ist.