Unternehmensinsolvenzen

Jochen StahlAktuelles

Die Statistik zeigt die Anzahl der Insolvenzverfahren in Deutschland von November 2019 bis November 2020. Im November 2020 wurden in Deutschland insgesamt 4.328 Insolvenzverfahren registriert. Im Jahr zuvor waren es 8.116 Insolvenzverfahren.

Zweck eines Insolvenzverfahrens ist der gerechte Ausgleich zwischen überschuldeten und zahlungsunfähigen Schuldnern und ihren Gläubigern zu schaffen. Dazu werden die Gerichte bemüht, die auf der Grundlage der Insolvenzordnung diese Auseinandersetzung zu regeln. Die Insolvenzstatistik beruht auf den Angaben der Insolvenzgerichte.

Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit weiterhin nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt war. Die bereits ab Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen wird unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit der Gerichte erst später Auswirkungen auf die Zahlen haben. Ausgesetzt ist die Insolvenzantragspflicht weiterhin für jene Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit dem 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch aussteht.

Aufgrund der Neuregelung des Insolvenzrechts im Bereich des Sanierungsverfahrens, welche zum 01.01.2021 in Kraft getreten ist können Unternehmen auch ohne Insolvenzverfahren saniert werden. Dann gilt auch die coronabedingte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nicht mehr. Die Bundesregierung hatte diese im Frühjahr beschlossen, damit im Kern gesunde Unternehmen nicht vorschnell in die Insolvenz rutschen. Seit Oktober müssen allerdings Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, wieder eine Insolvenz anmelden. Nur für Unternehmen die überschuldet aber noch zahlungsunfähig sind wurde die Aussetzung bis Ende des Jahres verlängert. Mit Jahresbeginn 2021 müssen auch sie bei Überschuldungsproblemen wieder die Insolvenz anzeigen oder aber sie finden in einem Sanierungsverfahren mit den Gläubigern eine Lösung der Finanzprobleme.

53,8 % weniger Verbraucherinsolvenzen im November 2020

Neben den Unternehmensinsolvenzen meldeten 3 282 übrige Schuldner im November 2020 Insolvenz an. Das waren 51,0 % weniger als im Vorjahresmonat. Darunter waren 2 214 Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern (-53,8 %) sowie 774 Insolvenzanträge von ehemals selbstständig Tätigen (-50,1 %).

Der deutliche Rückgang an Insolvenzanträgen von Verbraucherinnen und Verbrauchern hat sich bereits seit Juli angedeutet und ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Ende 2020 ein Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre beschlossen wurde. Die Neuregelung gilt bereits für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren und ermöglicht Verbraucherinnen und Verbrauchern einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Es ist davon auszugehen, dass deshalb nun nach und nach viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag stellen werden laut Information des statistischen Bundesamtes.

Nachstehend zeigen wir Ihnen anhand unseres Schaubildes und den uns vorliegenden Zahlen vom statistischen Bundesamt wie die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2019/2020 in der Schmuck und Uhrenbranche waren.

Hier sieht man einen leichten Anstieg im Bereich Vertrieb und Großhandel wie auch Einzelhandel. Die prozentuale Entwicklung ist weiterhin aufgrund der Corona-Krise nicht in einem übergroßen Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen zu sehen, was auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zurückzuführen wäre, wie oben erwähnt.